Digitale Faksimile-Gesamtausgabe Nietzsches (DFGA)

Die Digitale Faksimile-Gesamtausgabe (DFGA), herausgegeben von Paolo D’Iorio und publiziert von Nietzsche Source, wird zum ersten Mal eine digitale Reproduktion des gesamten Nietzschenachlasses (Erstausgaben der Werke, Manuskripte, Briefe und biographische Dokumente) verfügbar machen. Diese Texte stellen die Primärquellen für die Untersuchung von Nietzsches Leben und Werk, sowie für die Interpretation seiner Philosophie dar. Die Faksimileausgabe wird es Forschern zum Beispiel ermöglichen, die unterschiedlichen Textausgaben, die ja die Basis einer jeden weiterführenden philosophischen Interpretation sind, auf ihre Echtheit zu prüfen. Wenn Nietzsches Manuskripte frei zugänglich gewesen wären, so wäre es etwa nicht möglich gewesen, „Der Wille zur Macht“ zusammenzustellen, ein Buch, das Nietzsche nie geschrieben hatte. Die DFGA gibt Forschern darüber hinaus die Möglichkeit zu neuen Forschungsprojekten, wie, beispielsweise, eine Rekonstruktion der Entstehungsgeschichte von Nietzsches Werken, oder eine Analyse der Entwicklung seines philosophischen Denkens anhand seiner Notizbücher (auch bekannt als „genetic critisism“).

Den Lesern werden hochauflösende, farbige Faksimiles an die Hand gegeben, die sie durchsuchen, vergrößern, ausdrucken und herunterladen können. Hierbei basiert die DFGA auf einem exakten digitalen Klassifizierungssystem, welches jede Einzelseite mit einer eindeutigen und stabilen Internetadresse bezeichnet. Bei der Erstellung dieses Klassifizierungssystem war es Ziel der DFGA, ein Höchstmaß an Kompatibilität mit der kritischen Standardausgabe sowie mit bereits existierendem Forschungsmaterial zu erzielen. Deswegen haben wir uns nicht für die jüngere Klassifizierung des Goethe- und Schiller-Archivs, die Heimstatt der Nietzschebestände, entschieden oder eine neue Klassifizierung vorgenommen, sondern beziehen uns auf die am häufigsten verwendete Klassifizierung von Hans Joachim Mette aus dem Jahr 1933. Die DFGA vervollständigt die Mette Klassifizierung: sie berichtigt Irrtümer und füllt Nummerierungslücken aus. Die in den URLs benutzten Siglen korrespondieren mit Mettes Abkürzungen, jeweils gefolgt von Seitenzahlen. So kann, zum Beispiel, die Seite 194 des Manuskriptes M II 1 unter folgender Adresse aufgerufen werden: www.nietzschesource.org/DFGA/M-II-1,194.

Hierdurch wird die DFGA eine der ersten für die akademische Zitation und Bezugnahme vollwertig und einfach nutzbare elektronische Ausgabe. In Zukunft wird eine Konkordanz die Kompatibilität mit allen früheren Klassifizierungen von Nietzsches Manuskripten herstellen wie auch mit der kritischen Standardausgabe.  Das Ergebnis wird ein exaktes Auffinden der Manuskriptseiten sein, die in der Colli-Montinari-Ausgabe als „Nachgelassene Fragmente“ klassifiziert wurden.